Pilsting

Die Geschichte von Pilsting

Bereits im Jahre 889 nach Christus wurde die Ortschaft Pilsting erwähnt. Damals war Pilsting im Besitz der Grafen von Frontenhausen. Als Markt besteht Pilsting, als es zusammen mit Teisbach und Frontenhausen an den Bayerischen Herzog verkauft wurde.

Schwere Schäden erlitt Pilsting durch wiederholte Brände seit dem Dreißigjährigen Krieg, wobei im Jahre 1789 der Ort fast völlig abbrante.

Die neu aufgebauten Wohn- und Geschäftshäuser verleihen noch heute dem Marktplatz sein charakteristisches Aussehen. Den Besuch der spätgotischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt sollte kein Besucher versäumen.

Vorgängersiedlungen im und um den Ort lassen sich seit der Jungsteinzeit verfolgen, da die fruchtbare Lage am Eingangstor zum Gäuboden immer wieder die Menschen seßhaft werden ließ. Der Ort, der sich im 6. Jahrhundert aus der Siedlung eines bajuwarischen Grundherren namens Pilisto“ entwickelte, wurde am 17. August eines der Jahre 889, 890 oder 891 in einer Urkunde als „ad Pilistingon“ genannt. Früh wird damit ein Ort der Regensburger Bischöfe erwähnt, zu deren Herrschaftsbereich Pilsting schon damals gehörte – Jahrhunderte vor den großen und heute bekannten Siedlungen des Umlandes, wie etwa die Städte Dingolfing und Landau.

Pilsting gehört zu den ältesten Siedlungen Altbaierns, das „Pilistingon“ aus dem 9. Jahrhundert war jedoch topografisch nicht identisch mit dem heutigen Markt. Zu den damals mächtigsten Geschlechtern der Region gehörten die Grafen von Frontenhausen, aus deren Reihen auch immer wieder der Bischof von Regensburg hervorging und deren letzter Vertreter, Bischof Konrad IV zu Regensburg, im Jahre 1226 verstarb. Seine Besitzungen und die damit verbundenen Rechte kamen an das Hochstift Regensburg. Im 13. Jahrhundert kam es zu „außenpolitischen“ Zwistigkeiten im Kampf Kaiser Friedrichs II. mit den Päpsten um die Macht in Italien. Die Bischöfe von Regensburg hielten zum Kaiser, während sich die Bayernherzöge auf die Seite des Papstes stellten. Mit ihrem Engagement wollten die Regensburger Bischöfe auch ihre Unabhängigkeit vom bayerischen Herzogtum erreichen. Der Herzog dagegen versuchte, die Ausdehnung des bischöflichen Territoriums zu verhindern und das Grafschafts- bzw. Hochgericht den Bischöfen von Regensburg zu entreißen. Bei diesen Machtkämpfen kam auch Pilsting in die Schußlinie, noch dazu, da dieser Ort von herzoglichem Territorium eingeschlossen war. Der Herzog versuchte offensichtlich, Pilsting vom Kerngebiet der ehemaligen Grafschaft Frontenhausen-Teisbach abzutrennen. Durch seinen Ministeralien, den Burgvogt in Landau, wurde der Ort Pilsting 1237 in Brand gelegt und ausgeplündert. Im Friedensvertrag vom 5. Mai 1237 mußte sich Herzog Otto verpflichten, Bischof Siegfried von Regensburg für die Zerstörung Pilstings zu entschädigen und die Durchgangsstraße nicht mehr zu blockieren. Um den Marktplatz, den einst die wichtige Handelsstraße von Landshut nach Deggendorf (B 11) weitet, entstand die Keimzelle des heutigen Pilsting.

Versehen mit den Privilegien eines Marktes stand der Ort in einer günstigen wirtschaftlichen Ausgangsposition. Als Objekt bischöflicher und herzoglicher Auseinandersetzung oder als beliebtes Pfandobjekt kam Pilsting erst zur Ruhe, als der Markt samt den dazugehörigen Besitzungen, Rechten und Privilegien im Jahr 1386 vom Hochstift Regensburg an die bayerischen Herzöge verkauft wurde.

Der Dreißigjährige Krieg und vor allem das Jahr 1789 brachte großes Unglück über Pilsting, als der Markt fast vollständig abbrannte. Nach dem Wiederaufbau läßt sich eine stetige Aufwärtsentwicklung bis in die heutige Zeit verfolgen.

1812 wurde eine Poststation errichtet. Neben mehreren Schank- und Tavernwirtschaften gab es in Pilsting früher drei Brauereien, die sich bis in 16. Jh. zurückverfolgen lassen.

Das langgestreckte Gotteshaus ist eine spätgotische Anlage des 15. Jahrhunderts (der Schlußstein in der Sakristei trägt die Jahreszahl 1491). Der Vorgängerbau reichtjedoch bis ins 13. Jahrhundert zurück. Im Laufe der Zeit war seine Ausstattung mehreren Modeerscheinungen unterworfen und zeigt seit 1878 nach der Regotisierung sein jetziges Aussehen. Rechtzeitig zum Jubiläum 1988 konnte die mehrjährige und gründliche Renovierung der Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt durch Dekan BGR Anton Beer abgeschlossen werden. Der 60 Meter hohe Turm stammt aus der Übergangszeit von der Romantik zur Gotik. Das dreischiffige Langhaus weist die Merkmale einer typischen niederbayerischen Hallenkirche auf, in der Tiefenzug und Breitenwirkung in ein spannungsreiches Verhältnis treten.

Kunstvolle Ausstattungsgegenstände wie z. B. das überlebensgroße Chorbogenkruzifix aus dem 16. Jahrhundert zeugen von der Pracht dieses Gotteshauses. Große spätgotische Grabsteine aus Rotmarmor zeugen von der letzten Ruhestätte der Hoholtinger und Kölnpecken, die ihren Adelssitz im nahegelegenen Großköllnbach hatten. Als Zentralkirche der ganzen Umgebung spielte die stattliche Pfarrkirche vor allem im 15. Jahrhundert eine große Rolle als Wallfahrtskirche“ Unserer Lieben Frau auf dem Moos«. Neben dem „Dom im Moos“ steht die Friedhofskapelle, im Kern eine gotische Anlage des 15. Jahrhunderts. Sie dient seit 1923 als Kriegergedächtniskapelle, in der auf einer großen Holztafel das Gedenken an die in den beiden Weltkriegen Gefallenen bewahrt wird.

Die WieskapelleDie Wieskapelle „Zum Gegeißelten Heiland“ außerhalb des Marktes entstand in etwas kleinerer Form in dem schicksalsschweren Jahr 1648, als Tod und Grausamkeit die Zeit beherrschten. In ihr suchten die Menschen Zuflucht in Not und Elend, wie viele Votivbilder bezeugen.

Zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung Pilstings gab es im Bereich der Diözese Regensburg vier Archivpresbyteriate und Pilsting gehörte zum Erzdekanat Pondorf und ist damit eine der wenigen Urpfarreien des Landkreises Dingolfing-Landau. Zum heutigen Dekanat Pilsting gehören 18 Pfarreien und 3 Benefiziumstellen.

Pilsting heute

Die Marktgemeinde Pilsting besteht seit Abschluß der Gemeindegebietsreform aus den ehemals selbständigen Gemeinden Ganacker, Großköllnbach, Pilsting und Waibling. Sitz des Rathauses blieb Pilsting, das erstmals 1380 als Markt erwähnt wurde.

Pilsting besitzt einen der schönsten Marktplätze in Bayern mit den altbayerischen Proportionen von 1:8. Das Marktplatz-Ensemble steht unter Denkmalschutz. Neben Bauten mit geschweiftem Giebel aus dem 18. Jahrhundert wechseln sich Bürgerhäuser mit Pilastergliederung und Walmdach, Barockbauten und stattliche (ehemalige) Brauereigebäude mit einem klassizistischen Bau des ausgehenden 18. Jahrhunderts mit Giebelfassade und stukkierten Fenster- und Türrahmungen ab. Neubauten der 80er und 90er Jahre des 20. Jahrhunderts gliedern sich nahtlos und gefühlvoll in die historische Architektur ein. Etwas abseits überragt die gotische Pfarrkirche den Ort. Pilsting beherbergt als aufstrebendes Kleinzentrum eine gesunde Geschäfts- und Handwerkswelt. In Pilsting und seinen Gemeindeteilen sind alle infrastrukturellen Einrichtungen wie Grund- und Hauptschule, Kindergärten, Post, Geschäfts- und Bankhäuser, mittelständische Handwerks- und Gewerbebetriebe (Bekleidung, Holz- und Eisenverarbeitung) vorhanden. Die Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete bietet auch jungen Familien gute Wohnvoraussetzungen, da Wasserversorgung und Abwässerbeseitigung größtenteils durchgeführt sind. Die einzige Brauerei und Frischgetränkefabrik im Gemeindegebiet befindet sich in Großköllnbach. Hier laden auch Schwimmbad, Eisstockhalle und Reitplatz zu sportlichen Aktivitäten für jung und alt. Sämtliche Ortschaften sind mit Sport- und Tennisanlagen ausreichend versorgt. Ein reges Vereinsleben ist Garant für den Bestand des gesellschaftlichen Gemeinsinns.

Das Jahr 1988 bedeutete mit der Fertigstellung der Bundesautobahn A 92 München-Deggendorf einen entscheidenden Einschnitt, denn die Hauptverkehrsader des Isartals führt nun nicht mehr durch Pilsting. Die Gemeinde verfügt über zwei Autobahnanschlüsse und der neue Großflughafen München II liegt nur 80 Kilometer entfernt. Dies schlägt sich auch in den Planungen von Gewerbe, Industrie und Privatpersonen nieder. Wie die übrige Isarregion in Niederbayern, so hat sich auch in der Gemeinde Pilsting immer mehr der Wandel vom einstigen Agrarland zum Industriestandort und -einzugsgebiet vollzogen. Verlassene alte Bauernhöfe oder aufgegebene landwirtschaftliche Anwesen geben Zeugnis davon. Viele Nebenerwerbslandwirte sind bei NEOPLAN oder bei BMW im benachbarten Dingolfing beschäftigt.

Wie ein roter Faden zieht sich die Lage Pilstings an einer wichtigen (Handels-)Straße durch seine Geschichte. So darf es nicht verwundern, daß sich hier ein renommiertes Unternehmen ansässig machte und Arbeitsplätze für viele hunderte Familien bietet. Das Stammhaus der Firma Auwärter befindet sich in Stuttgart-Möhringen und hat sich aus einer kleinen Wagnerei zu einer Weltfirma entwickelt. Ähnlich die Entwicklung in Pilsting: 1883 gründete Andreas Glas eine kleine Reparaturwerkstatt für Landmaschinen. 1946 wurde am westlichen Ortsrand von Friedrich Hahn ein metallverarbeitender Betrieb errichtet, der 1951 an die Isaria Maschinenfabrik von Hans Glas überging. Im selben Jahre kam der Motorroller unter dem Namen Goggo“ und 1954 ein Kleinwagen, das Goggomobil auf den Markt. Nach der Übernahme durch BMW und später durch die Traktorenwerke Eicher werden seit 1973 auf diesem Gelände NEOPLAN-Busse gebaut.

Bürgermeister und Gemeinde identifizieren sich mit der Geschichte ihres Ortes und unterstützen die kulturellen und geschichtlichen Aktivitäten tatkräftig. So konnten in den letzten vier Jahren drei große Jubiläen gefeiert werden:

1988 600 Jahre Marktrechte Pilsting
1990 1200 Jahre Großköllnbach
1992 1100 Jahre Pilsting.

Gerne erinnern sich die Gemeindebürger an die großen historischen Festzüge und an das Markttreiben auf dem für solche Anlässe prädestinierten Marktplatz. Aus der Reihe der Organisatoren und Helfer dieser Feierlichkeiten hat sich eine kulturelle Keimzelle entwickelt, die das Gesellschaftsleben in der Gemeinde mit zahlreichen Aktivitäten bereichert.

U. a. wird vom örtlichen Geschichtsverein das „HEIMATJAHRBUCH FÜR DIE MARKTGEMEINDE PILSTING“ (mit Beiträgen aus Geschichte und Heimatkunde sowie Aktuelles und Statistisches aus dem Gemeindeleben) in die ganze Welt verschickt. Das Geschichts- und Heimatbewußtsein ist gestiegen, denn der Begriff „Heimat“ ist aktueller denn je.